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FREI, Thomas ; BRUHIN, Egon ; WALDMEIER, Erich ; WEISS, Esther ; Kulturkommission Kanton Schwyz (Hrsg.)

Das Kloster Einsiedeln und seine Pferde

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Redaktion und Konzept: Thomas Frei.


Aus dem Vorwort von Abt Urban Federer OSB:

Kein Einsiedler Pferd wird heute mehr vor eine Kutsche gespannt, wenn sich der Abt des Klosters auf Reisen begibt. Dieser bewegt sich gewöhnlich mit dem Zug fort oder sitzt selbst hinter dem Steuer. Das Einsiedler Pferd gehört heute der Allgemeinheit - und das ist gut so! Wer schon einmal mit Kindern eine Führung durch unsere grosse Klosteranlage machte und danach das Glück hatte, von diesen Kindern Zeichnungen zum Andenken zu erhalten, wird zumindest auf den Blättern der Mädchen übergross ein Pferd zu Gesicht bekommen; die kostbaren Bücher der Bibliothek oder gar die Schwarze Madonna wirken daneben eher bescheiden. Zumindest die Madonna dürfte das nicht stören, werden unsere Pferde doch oft liebevoll Cavalli della Madonna genannt. Das Einsiedler Pferd gehört zum Kloster Einsiedeln und ist täglich Ziel unzähliger Besucherinnen und Besucher. Es ist darum für Einsiedeln und seine Region sehr wichtig!

Selbstverständlich ist diese Bedeutung des Einsiedler Pferdes für das Kloster und für Einsiedeln hingegen nicht. Vorbei sind die Zeiten, als die Pferdezucht ein lukratives Geschäft der Oberschicht unserer Gesellschaft war. Vorbei sind die Zeiten, als das Pferd für das Kloster ein zuverlässiger Helfer beim Transport von Holz und in der Landwirtschaft war. Und vorbei ist eben auch die Zeit, als das Einsiedler Pferd den Mönchen als Transportmittel diente und diese noch zu reiten wussten. Doch auch ohne wirtschaftliche Bedeutung hat sich das Kloster für den Erhalt dieses Pferdeschlags entschieden, denn die Pferde unseres Marstalls erfreuen sich immer noch grosser Beliebtheit: nicht ihres unmittelbaren Nutzens wegen, sondern kraft der Faszination dieses Pferdeschlages. Geschätzt werden die Einsiedler Pferde wegen ihrer Eleganz, ihres guten Charakters und ihrer robusten Gesundheit.

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Einleitende Bemerkungen von Thomas Frei:

Das Kloster und die Pferde sind die beiden am meisten genannten Begriffe, wenn von Einsiedeln die Rede ist. Verwunderlich ist das nicht, gehören die Benediktinerabtei und die aus ihrem Marstall hervorgegangenen Cavalli della Madonna schliesslich seit bald 1000 Jahren zusammen. Dank dem Grundsatzentscheid der Klostergemeinschaft vor 15 Jahren, die Stalltüren nicht zuzusperren und die Pferdehaltung beizubehalten, bleibt der Marstall Einsiedeln als ältestes Gestüt ebenso ein schützenswertes Kulturgut wie die monumentale barocke Klosteranlage.

So wie das Pferd seine Stellung an der Seite des Menschen seit 7000 Jahren in immer neuen Aufgaben zu behaupten verstanden hat, liest sich die Gestütsgeschichte. Und die bietet weit mehr als einen Einblick in züchterische Massnahmen aus mehreren Jahrhunderten. Freilich führt der fundierte Abriss vor Augen, wie über die Um- und Weiterzüchtung die Pferde stets aufs Neue in unsere Dienste gestellt wurden: Verlangten die Ritter im Mittelalter ein schweres Schlachtross. waren für den Reit- und Saumdienst über die Alpen leichtere Typen gefragt, bis für die immer besser ausgebauten Strassen der Bedarf für ein vielseitig einsetzbares Reit- und Wagenpferd stieg. Und als das Pferd aus dem Arbeitsalltag immer mehr verdrängt wurde, fand es dafür einen neuen Platz in unserer Freizeit. Doch die über die Jahrhunderte hinweg fein säuberlich aufgezeichneten Aktivitäten im Einsiedler Marstall schildern auch das soziale, wirtschaftliche und kulturelle Umfeld weit über das Hochtal der Sihl hinaus, was die klösterlichen Aufzeichnungen zu einem Stück Schweizer Geschichte macht.

Ein Hochzuchtland für Pferde ist die Schweiz längst nicht mehr. Umso erfreulicher ist der Entscheid der kantonalen Kulturkommission, Band 103 in der Reihe der Schwyzer Hefte den Pferden aus dem Kloster Einsiedeln zu widmen. Andere Länder mögen heute über grössere Zuchtstätten als die Alpenrepublik verfügen - aber eine so gut dokumentierte Gestütstradition wie bei der Einsiedler Marstallzucht lässt sich sonst nirgendwo finden. Ein züchterischer Mittelpunkt ist der Einsiedler Marstall zweifellos immer gewesen. Die maximal 150 Klosterpferde hätten jedoch nicht ausgereicht, den Pferdeschlag als Schwyzer Pferd weit über die Grenzen hinaus bekannt zu machen. Pferdenamen wie Schwedli ab dem Etzel, Keyser vom Wolfegger oder Männli des Lindauers vermitteln einen Eindruck vom Verbreitungsgebiet des Schwyzer Pferdes. An wirtschaftlicher Bedeutung mögen die Pferde in der motorisierten Welt verloren haben, zu faszinieren vermögen sie uns Menschen hingegen wie eh und je.

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Inhaltsverzeichnis:

Vorwort

Zu diesem Heft

Von der Einsiedelei zur Benediktinerabtei

Einsiedeln als Pferdezentrum der Innerschweiz

Um die Zucht verdiente Patres

Einsiedler Pferde gestern - heute - morgen

Hengste in der Einsiedler Marstallzucht

Marstall als Herz der Schwyzer Zucht

Zuchtgenossenschaft drückt Verbundenheit aus

Hommage an die Pferde auf Briefmarken

Bibliografie

Bildnachweis

Glossar

Autoren

Beilage: Stammbaum der Klima-Linie

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Schwyz: Kulturkommission Kanton Schwyz, 2015 (Schwyzer Hefte 103). – 79 S., zahlr. Abb., Stammbaum der Klima-Linie.

25,00 CHF  (inkl. 2,5% MWST)
Bestellnummer: 978-3-909102-65-5
Ausführung: broschiert (BxHxD = 20 x 21 x 0,7 cm)

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Webmaster (2010/04/16 - 09:40)